Studie: Gestaltungsbeirat Südsteiermark
Gestaltungsbeirat Südsteiermark
Vorwort
Der Gestaltungsbeirat im Naturpark Südsteirisches Weinland hat nun vor bald drei Jahren seine Arbeit aufgenommen. Nun ist es Zeit eine erste Bilanz zu ziehen. Nach einem anfänglichen, durchaus kritischen Abklären der eigentlichen Aufgabenstellung hat sich sehr bald eine kon-struktive Arbeitsweise aller Beteiligten eingestellt. Sehr bald war auch klar, dass es nicht darum geht Geschmacksfragen zu diskutieren oder gar Geschmack vorzuschreiben, sondern vielmehr ist es die Aufgabe des Beirats als Katalysator zur Bewusstseinsbildung für Baukultur beizutragen.
Dieser Prozess umfasst nicht nur Bauwerber, Planer und Bausachverständige, sondern auch Bürgermeister und Gemeinderat als Verantwortliche für ein qualitätsvoll gestaltetes Orts- und Landschaftsbild im Naturpark.
Ein qualitätvoll gestaltetes Orts- und Landschaftsbild muss als ein gemeinschaftliches Interesse verstanden werden und Bauaufgaben sind demnach nicht ausschließlich als ein Ergebnis von individuellen Vorstellungen zu betrachten.
Gerade das Zusammenspiel zwischen der wunderbaren Landschaft und den gewachsenen Baustrukturen und Typologien, etwas, das in der Vergangenheit perfekt funktioniert hat und zu dieser einmaligen Wahrnehmung der Südsteiermark wesentlich beigetragen hat, ist seit einiger Zeit in Gefahr. Viel zu oft wurde und wird gegen die Landschaft und nicht mit der Landschaft gebaut. Daher sind Fragen nach der Einbindung in die Topografie, nach dem Maßstab und der Volumen wohl die wesentlichsten, die der Beirat bei nahezu jedem Bauvorhaben zu stellen hat. Aber auch die Wahl der richtigen Materialien, der Dachdeckung und der Farbgebung ist ein wichtiger Faktor, um ein Gebäude in seine Umgebung einzufügen.
Der Gestaltungsbeirat hat bisher etwa 240 Bauaufgaben beurteilt, von der einfachen Überdachung für einen Autoabstellplatz, den teils schwierigen Unterfangen von Dachbodenausbauten, Einfamilienhäusern und Gewerbebauten bis zu Neubauten ganzer Weingüter. Viele dieser Bauaufgaben können prototypisch gelöst werden und führen wieder zur notwendigen Einheit Gebäude und Landschaft und damit zur Schaffung einer erneuerten regionalen Identität.
- Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Architekt Hans GangolyEin Zwischenbericht aus der Praxis
Im Auftrag des Naturparks Südsteirisches Weinland und der Landesbaudirektion begleitete das Institut für Gebäudelehre den Gestaltungsbeirat Südsteiermark bei seiner Tätigkeit, um einen Überblick über die letzten beiden Jahren zu bekommen, in denen das Pilotprojekt zu einem festen Bestandteil in den Gemeinden herangewachsen ist.
Dieser Veränderungsprozess wird in dieser Studie anhand einer Dokumentation aller Bauvorhaben, welche dem Gestaltungsbeirat im Laufe der Jahre 2009 und 2010 vorgelegt worden sind, aufgezeigt. Alle Projekte sind von der ersten Beratung bis zum aktuellen Stand dokumentiert. Dabei zeigt sich oft, in welcher Hinsicht die Arbeit des Gestaltungsbeirat in den Gemeinden bei den unterschiedlichen Bauvorhaben fruchtet oder nicht. Es hat sich herausgestellt, dass vor allem in Gemeinden, wo es mehr Beratungen mit den Bauwerbern, den Planern und den Gemeindevertretern gegeben hat, schlussendlich auch Bauprojekte entstanden, welche im Einklang mit dem Leitbild zur Baukultur sind. Im Zuge der Projektdokumentation wird aufgezeigt, wie wichtig die Begleitung der fachkundigen Planer und der Gemeinden bis zur Fertigstellung eines Projektes ist. Die Dokumentation gibt nicht nur Aufschluss über die Entwicklung der einzelnen Projekte, sondern zeigt auch, inwiefern diese auch dahin gehend umgesetzt worden sind.
Auf Basis dieser Dokumentation und ihrer statistischen Erhebung werden die typischen Bauvorhaben, welche dem Gestaltungsbeirat vorgelegt werden, herausgefiltert, um lokal übliche Lösungsansätze im Sinne des Leitbildes zur Baukultur darzustellen.
Grundsätzlich wird dabei zwischen Bautypus (Wohnhaus, Nebengebäude, Wirtschaftsgebäude, etc.) und Bauvorhaben (Neubau, Zubau oder Umbau) unterschieden. Die Studie zeigt zudem ausgewählte Projekte, welche als positives Beispiel für die unterschiedlichen typologischen Kategorien gelten und dem Leitbild zur Baukultur entsprechen.
Diese Standardtypen sollen nicht als Dogma gesehen werden, sondern zeigen, welche Lösungsansätze im Gestaltungsbeirat am häufigsten erarbeitet wurden. Im Vordergrund stehen dabei immer die regionale Baukultur und die Integration in die Landschaft des Naturparks. Diese Studie der Bautypen gibt ein Bild darüber, wie in der Südsteiermark gebaut wird und was die Kernaspekte der jeweiligen Bauweise bzw. Bautypologie sind.
Diese Studie zeigt kein fertiges Bild, sondern nur den Wandlungsprozess des Gestaltungsbeirates in den unterschiedlichen Gemeinden und dessen Arbeitsweise.
- Eva Maria HierzerAuszüge aus der Studie:
Die gebundene Studie liegt zur Ansicht in der Institutsbibliothek des Institutes für Gebäudelehre, TU-Graz auf.
Im Auftrag von:









