Projekte: Die Post geht ab
Sechs Zukunftsszenarien für Graz
Die Ausgangsbasis für die Projektideen wurde mittels einer Szenariotechnik geschaff en. Szenarios beschreiben dementsprechend mögliche Zukünfte, sind keine Prognosen und stellen keinen Anspruch darauf sich zu bewahrheiten. Ziel war es vielmehr, eine Projektrealität außerhalb der gegenwärtigen Wirklichkeit zu erdenken, um ausreichend Abstraktionsmöglichkeiten zur Ideenfindung zu schaffen.
Entwürfe der Studierenden
Nina Ulrich, Clemens Kubicek, Justin Tauscher01: ANARCHITEKTUR
Aufgrund der widrigen Umstände im Stadtgebiet findet ein Rückzug einzelner Interessensgemeinschaften in die Innenhöfe statt. Um eine sichere Distanz zwischen den Aufständen und der Straße zu gewährleisten, werden die obersten Geschosse zuerst als Wohnraum genutzt. Durchbrüche an den hofseitigen Wänden stellen genug Bausteine sicher, um die außen liegenden Fenster zu verbarrikadieren. Erdgeschoßöffnungen werden zugemauert und Bretter dienen im ersten Obergeschoß als Schutz vor Übergriffen. Zugleich wird die Hoffläche ausgedehnt und bietet ausreichend Platz für Bewegungs- und Kommunikationsflächen. Ringsum siedeln sich die Post, ein Markt und eine Mensa an. Dachgärten im obersten Geschoß bieten nicht nur Entspannung im Grünen, sondern gewährleisten auch Anbaumöglichkeiten für den Eigenbedarf und den Handel am Markt. Für helle Innenräume sorgen trotz geschlossener Außenfassade vier große Lichthöfe, die das Gebäude in allen Geschossen durchdringen, die ausgedehnte Kernzone und geöffnete Kuppeln. Durch Versetzen der bestehenden Trennwände werden im Innenraum neue Wege, Gassen und Plätze geschaffen, die das Bild einer Stadt in der Stadt in Erinnerung rufen. Abwechslungsreiche Abfolgen von öffentlichen, halb öffentlichen und privaten Zonen für Kommunikation und Leben machen den Weg durch das Gebäude zu einem dynamischen Erlebnis.
Dominik Tagger, Katherina Kaufmann, Martin Schnalzer, Roland Schnalzer02: SPACES OF IDENTITY
Um sich gegen die harte Konkurrenz der Internet-Einkaufszentren zu behaupten, muss sich die Innenstadt behaupten. Sie müssen sich inszenieren und den Besuchern vielfältige Erlebnisse bieten. Entscheidend sind nicht mehr die Ladenräumlichkeiten, sondern Erfahrungs- und Erlebnisgewinn des Kunden vor, während und nach dem Kauf. Ladenlokale werden zu Orten, wo man lernen und experimentieren kann, wo man Menschen trifft, sich austauscht, wo man unterhalten wird und eine angenehme Zeit verbringt = Socializing. Die Kunden erwarten Erlebnisse, Entertainment und neue Erfahrung – Authentizität.
Einfache Produkte anzubieten, reicht nicht mehr, es müssen außergewöhnliche Produkte sein und sie müssen mit einem außergewöhnlichen Service in außergewöhnlicher Umgebung präsentiert werden. Außerdem tritt die Individualität der einzelnen Produkte in den Vordergrund, wodurch auch die Produktion bzw. Herstellung zu dem Kaufkriterium der Kunden beiträgt. Das Individuum wird durch die Einzigartigkeit des Produkts geadelt, nicht durch den Preis.
03: DURCHATMEN
Durch das Szenario “Die autofreie Innenstadt” werden die Straßenräume in Kulturräume, Schanigärten, Markt-, Grün-, Spiel- und Sportflächen umfunktioniert. Aus diesem Grund schaffen wir ein Gebäude, das mit dem Außenraum interagieren und verschiedene Interessensgruppen verbinden soll.
Um den Innenhof der Öffentlichkeit besser zugänglich und interessanter zu machen, werden an neun Stellen im Erdgeschoß und teilweise auch im ersten Obergeschoß Gebäudeteile herausgenommen und zu Durchgängen umfunktioniert. Der Innenhof wird, gleich wie die Straßenräume rund um das Gebäude, begrünt und Richtung Neutorgasse hin auf Kellerniveau abgesenkt. Dadurch werden einzelne Teile des Hauses vom Kellergeschoß aus erschlossen.
Die Funktionen Medien, Kunst und Musik, Sport und Bewegung und (temporäres) Wohnen, verbunden mit öffentlichen Bereichen, verteilen sich auf fünf Ebenen. Durch Herausnehmen einzelner Geschoßdecken werden manche Funktionen wie die Kletterhalle oder die Sporthallen in obere, bzw. untere Geschoße gezogen. Dadurch entsteht eine Vernetzung der Funktionen.
Stephan Brugger, Eva Hierzer, Birgit Schirez04: I AM EVERYTHING YOU WANT.INC*
In der wachsenden Metropole Graz wird die Abgrenzung zunehmend verstärkt. Sei es nun die Eigenbrödlerei der einzelnen Bezirke und Viertel oder schlicht und einfach die Individualisierung jeder Person. Dies ist ein klarer Trend, der in jeder Großstadtmetropole der westlichen Welt abzulesen ist.
Aufgrund des Wachstums und der Verdichtung von Graz wird der Wohnraum immer knapper. Die Folge davon ist eine Wohnweise in Wohngemeinschaften oder in winzigen Ein-Personen-Haushalten. Somit wird der individuelle Freiraum jedes Menschen knapper. Die Grazer Innenstadt ist zu einem neutralen kulturellen Zentrum der Stadt geworden.
Die Potenziale des Gebäudes liegen einerseits in seiner zentralen Lage und andererseits in seinem anonymen strukturellen Aufbau eines Verwaltungskomplexes.
Aus diesen Überlegungen heraus wollen wir einen zentralen Platz im Erdgeschoß für das Gebäude und die Umgebung schaffen. Ein Ort, der zum Verweilen in Mitten des Kulturellen Hot-Spots einlädt. Das Gebäude selbst schwebt darüber und wird zum “Tempel” der anonymen Individualität. Wie ein Setzkasten soll es gleich große Räume bieten, welche von den Nutzern individuell bespielt werden können. Dieser Raum erinnert an das eigene Kinderzimmer oder an die erste eigene Wohnung – mit dem Unterschied, dass es kein Lebensraum, sondern nur ein Ort der Individuellen Entfaltung ist.
05: B(u)ILDUNG
Der Entwurf hat hier die Aufgabe eine Struktur zu schaffen, in der jedwede Art von “Unterricht”, Workshops, Vorträgen oder sonstige Art von Wissens- und Know-How-Vermittlung ihren Platz finden kann.
In dieser Zeit des Bildungsnotstands beginnt die Gesellschaft mit selbstorganisiertem Wissensaustausch und gegenseitiger Hilfestellung verschiedenster Art.
Das Prinzip basiert auf dem einer Tauschbörse in die jeder etwas einbringen kann folglich auch davon profitieren. Die Bürger stellen ihre Arbeitskraft, ihr technisches Know-How, ihre Zeit, ihr Wissen zur Verfügung und können sich so gegenseitig weiterbilden.
Die Einrichtung soll in einer Zukunft, in der lebenslanges Lernen immer wichtiger wird, wo die klassische Laufbahn von erst Ausbildung, dann Beruf überholt sein wird, einer Gruppe von “Aussortierten” eine neue Chance bieten.
06: GRAZELONA
Die Besonderheit liegt darin, das Urbanste mit einem der entspanntesten Freiräume der Stadt zu verbinden. Nicht nur in städtebaulicher Hinsicht ergibt sich diese Schnittstelle, sondern auch in soziologischer und gesellschaftspolitischer Hinsicht kommt es hier zur Vermischung. Dieser multikulturellen, urbanen Atmosphäre muss das Projekt gerecht werden.
Aus diesen Einflussfaktoren ergibt sich die Idee eines öffentlichen Marktes an der Stelle des alten Postamtes. Der Markt ist das pulsierende Zentrum. Er ist sowohl Businessclass als auch Freizeitspaß, geschäftig, aber doch entspannend, verwurzelt wie auch exotisch. Zusätzlich gibt er dem Viertel eine Authentizität, eine „Echtheit“. Als absolut positiv konnotierte Funktion bietet er den Angestellten der Gegend, den Museumsbesuchern aus dem Joanneum sowie den Rad fahrenden, schwimmenden, laufenden oder einfach nur die Freizeit genießenden Benutzern des neu geschaffenen Parks am Murufer Platz zum Essen, Einkaufen und Flanieren.
mit freundlicher Unterstützung von:













